Energieschulden und Stromsperrandrohung

Besonders heikel sind sogenannte Primärschulden. Diese sind vor allen anderen Schulden zu bedienen, da sie unmittelbar das Existenzminimum des Schuldners und ggf. auch seiner Angehörigen gefährden. Es handelt sich dabei beispielsweise um Mietschulden der aktuell bewohnten Wohnung, sowie um Energieschulden (Gas, z.B. GASAG, Strom, z.B. Vattenfall). Am Ende sind auch Telefonanbieter- und Internetkosten Primärschulden. Bei der Wohnungsmiete droht die Kündigung, beim Strom die Stromsperre, beim Telefonanbieter die Abschaltung.

Stromsperrandrohung, was tun?

Sofern Energierschulden nicht ausgeglichen werden, bzw. nicht ausgeglichen werden können, kommt es zur Stromsperrandrohung durch den Energieversorger. Das bedeutet, dass der Strom direkt am Zähler “abgeknippst” wird und man im Wortsinne im Dunkeln sitzt. Die Stromsperre ist eine äußerst eingreifende Maßnahme, die jedoch immer häufiger durch die Energieversorger umgesetzt wird.

Die Stromsperre ist in § 19 StromGVV (Stromgrundversorgungsverordnung) geregelt. Danach muss zunächst Zahlungsverzug oder eine sonstige vertragliche Zuwiderhandlung vorliegen. Die Stromsperre muss verhältnismäßig sein und sowohl angedroht als auch angekündigt sein.

Außerdem gibt es Tatbestände, die die Stromsperre unzulässig machen, etwa besondere Krankheitsumstände der Strom beziehenden Personen o.Ä.

Allerdings sind die Versorger erfahrungsgemäß inzwischen ziemlich rigoros im Umgang mit der Stromsperre – man sollte es daher erst garnicht dazu kommen lassen. Energieschulden sind Primärschulden, diese sind vor allen anderen Schulden zu bedienen.

Tipps zur Stromsperre bzw. der Androhung:

Die Energieanbieter haben gewisse Grenzen, in denen sie Abzahlungsvereinbarungen treffen. Bei Vattenfall in Berlin wird beispielsweise aus hiesiger Erfahrung unter einem Rückstandsbetrag von 180,00 € keine Ratenvereinbarung akzeptiert – zumindest nicht durch das Callcenter. Es kann daher sinnvoll sein, die Schulden zu erhöhen, um in den Genuss einer Abzahlungsvereinbarung zu kommen. Sofern man also den eigenen Zählerstand im Auge hat und mit einer Nachzahlung rechnet, kann es sinnvoll sein, die letzte Zahlung im Abrechnungszeitraum nicht zu bezahlen, damit man nach Abrechnung des Stroms mehr als 180,00 € Rückstand hat und Vattenfall eine Abzahlungsvereinbarung akzeptiert. In diesem Fall wird das Callcenter eine Ratenvereinbarung bis zu sechs Monaten akzeptieren ohne eine Stromsperrandrohung auszusprechen bzw. Ihnen zu senden.

In anderen Fällen, wenn eine Abzahlung nicht möglich ist oder der Betrag unter 180,00 € liegt bzw. zu gering ist, stellt der Stromanbieter eine Raten-Ablehnungsbescheinigung aus, verbunden mit der Stromsperre bzw. der Sperrandrohung, mit der der Schuldner zum JobCenter gehen kann. In der Regel wird das JobCenter unter Vorlage dieser Bescheinigung ein Darlehen für die Stromrechnung bewilligen.

Achtung, ist der Strom gesperrt, sind im Regelfall keine Ratenzahlungen mehr möglich. Die Stromsperre wird dann nur gegen Zahlung der Schulden und Sperrgebühren aufgehoben. Oder durch durch Einleitung der Insolvenz, da damit die Schulden auch für die weitere Sperre gegenstandslos sind. In jedem Fall ist es sinnvoll eine Stromsperrandrohung nicht zu ignorieren!

Sofern der Stromschuldner also weitere Schulden hat, können die Schulden auch mit der Einleitung der Insolvenz (Privatinsolvenz oder Regelinsolvenz) reguliert werden. Dann müssen Energieschulden nicht mehr bezahlt werden.

Haben Sie Schulden bei Ihrem Energieanbieter?

Dann kommen Sie bitte auf uns zu. Telefonisch unter der (030) 4050 4030 oder über das Kontaktformular. Das Team der Anwaltskanzlei Heckmann und Rechtsanwalt Jan Heckmann persönlich sorgen dafür, dass Ihre Schulden der Vergangenheit angehören – deutschlandweit – gleichgültig wo Sie wohnen. Zusammen finden wir einen geeigneten Weg aus der Entschuldung.